Mein Leben ist so farbenfroh, dass ich gar nicht mehr hinterherkomme, Artikel über einzelne Aspekte, über jede Nuance zu verfassen. Ich schlafe, esse, surfe, lese Magazine, arbeite, lese. Wer will nicht jeden Tag darüber lesen?
Das Bloggen möchte ich nur ungerne aufgeben, denn während ich im Zug sitze und räsoniere, was die letzten 23 Jahre so abging, fällt mir einiges ein, womit ich nicht meinen Facebook Bekanntschaften auf die Nerven gehen kann. Um also eine Art Entschuldigung zu finden, Nonsens zu publizieren, werde ich ab jetzt rezensieren. Denn als ich wieder nachgedacht habe, was mich als Konsumkind im Netz am meisten interessiert, dann sind es Kaufempfehlungen, vorgekaute Meinungen, die ich bei guter Beweisführung als meine verkaufe, oder auch mal ganz gerne Trash. Alles, worüber ich mir mit meiner Wichtigtuerei eine Meinung gebildet zu meinen gehabt habe. (Hä, wie heißt das richtig?)
Heute: Frauenmagazine.
Mit Magazine lesen meine ich nicht wie oben den tagtäglichen Stuhlgang, sondern das aktive Beschaffen eines solchen Heftchens und das tatsächliche Versinken in den kurzen Artikeln. Gestern hat mir mein Kollege die aktuelle Ausgabe der Jolie, Freundin und Cosmopolitan in die Hand gedrückt. "Guck, das interessiert dich doch sicher! Frauenzeitschriften. Mit den ganzen Make Up Tricks." Zuerst einmal - sollte das etwa ein fieser Hieb in die Magengegend sein? Seit geraumer Zeit verzichte ich so weit es geht auf den Gebrauch von gesichtsverändernden Substanzen, und siehe da, meine Augen erscheinen gar nicht so klein wie befürchtet. Oder doch? Vielleicht wollte Kollege mich nur freundlich darauf hinweisen, dass das so nicht weiter geht.
Im Zug versank ich dann in die pinke Welt der Jolie. Als ich nach 10 Minuten den ganzen Inhalt aufgesogen habe (denn viel war es nicht), fiel mir auf, dass ich nichts davon behalten habe, was ich soeben gelesen habe. Ist vielleicht auch besser so.
Es ist doch wirklich interessant, wie sehr ich mich verändert habe. Mit 16 habe ich mir meine allererste Ausgabe der Glamour geholt. Meine damalige Sitznachbarin in der Schule brachte mich auf die Idee. Denn davor habe ich mich zeitschriftenmäßig nur mit der Micky Maus und dem Magazin für Sailor Moon Fans auseinandergesetzt. Zwischen der Glamour und der Micky Maus liegen ja doch etwas mehr als zwei Welten. Etwa 40 % der ungeradzahligen Seiten sind für Werbung bestimmt, der Rest der Artikel befasste sich mit den kleinen, tagtäglichen Problemen der Durchschnittsfrau ab 20. Quasi ging es so mal gar nicht um mich. Und trotzdem fand ich es total fesch, mir vorzustellen, wie auch ich später einmal im Büro "den Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten", in einer Cocktailbar "die ..." (verdammt wie heißt das nochmal?), naja jedenfalls dieses katzenartige Make-Up auszuprobieren und natürlich die neuen, saisonalen hippen Schuhe von Dior zu kaufen. Die Glamour stand für etwas, was ich mit meinen Mittzwanzigern erreichen wollte. Das Bild der kalten und erfolgreichen Geschäftsfrau, die sich allen möglichen Luxus erkaufen konnte, um die Leere in ihrer Seele zu füllen. Klassischer Hollywood Chick Flick. Oder Korean Drama.
Und das ist heute für mich das, was ich auf keinen Fall sein will. Ich find nichts lahmer, als in einer Firma hinter meinem Schreibtisch zu versinken, mir einbilden zu müssen, dass die Zahlen, die ich gerade in die Excel Tabelle eingebe, den Weltfrieden oder mindestens mehr bedeuten, damit ich ein wenig Sinn in der Arbeit erkennen kann. Corporate World Sucks. Weil nämlich jeder kleine Furz denkt, er sei es. Je größer die Firma, desto größer das Ego der Mitarbeiter. Desto kleiner das Interesse. Für das wirklich Wichtige, Probleme auf der Welt und so. Die Umwelt. Menschenhandel. Wie es jetzt den verfickten Fischen im Golf von Mexiko geht. Ich will keineswegs auf selbstgerecht tun. Auch ich bin ignorant. Und ich find's furchtbar.
Ist natürlich ein bisschen ungeschickt, dass ich Wirtschaft studiere. Haha.
Jedenfalls, um mal auf den Punkt zu kommen, Frauenmagazine stellen sich als Freundin-Ersatz hin. Hallo, guck mal, ich hab den neuesten Kauftipp für dich, diese Diät, bei der man weder Sport noch eine Essenumstellung machen soll funktioniert auf JEDEN FALL, und schon gehört, diese Schauspielerin ist ab jetzt unsere Heldin und bla bla bla. Das sind lustige, feststehende Variablen, die man bei jeder Zeitschrift à la Glamour finden wird. Und sie sind unfassbar schlecht, diese Ratschläge. Und diese pseudo journalistisch unwertvollen Kolumnen sind irgendwie noch schlechter. Und am Ende, wenn man auch die letzte Seite gelesen hat, hat man dann doch nix gelernt.
Klar geht es nur darum, sich die Zeit zu vertreiben, abzuschalten, im Zug was zu tun haben.
Jedenfalls, um mal auf den Punkt zu kommen, Frauenmagazine stellen sich als Freundin-Ersatz hin. Hallo, guck mal, ich hab den neuesten Kauftipp für dich, diese Diät, bei der man weder Sport noch eine Essenumstellung machen soll funktioniert auf JEDEN FALL, und schon gehört, diese Schauspielerin ist ab jetzt unsere Heldin und bla bla bla. Das sind lustige, feststehende Variablen, die man bei jeder Zeitschrift à la Glamour finden wird. Und sie sind unfassbar schlecht, diese Ratschläge. Und diese pseudo journalistisch unwertvollen Kolumnen sind irgendwie noch schlechter. Und am Ende, wenn man auch die letzte Seite gelesen hat, hat man dann doch nix gelernt.
Klar geht es nur darum, sich die Zeit zu vertreiben, abzuschalten, im Zug was zu tun haben.
Deswegen gebe ich den ganzen, schlecht recherchierten Frauenzeitschriften ein umgedrehtes Fragezeichen von fünf (sobald ich mir ein cooles Symbol überlegt habe... solange bleibt's das spanische Fragezeichen). Sie sind einfach da. Sind inhaltlich so sinnlos wie die Micky Maus, nur weniger unterhaltsam. Journalismus ist etwas anderes in meiner kleinen, jeder fühlt sich obergeil Welt. Und wahre Karrierefrauen lesen, wenn überhaupt, sowieso etwas Anspruchsvolleres, die Vogue oder Harper's Bazaar, nicht die Jolie. Oder Glamour. Laaangweilig!
1/5 ¿






