Echt wahr, und es geht ganz schnell. Vor genau fünf Monaten habe ich meinen ersten Eintrag verfasst und gibt nun dem, wie ich denke, letzten Qingdao-Eintrag etwas richtig melodramatisches, wegen gives me closure und so. I like!
Das lässt mich andererseits aber auch spontan doch tatsächlich Revue passieren, was ich echt hasse, weil es mich ungewollt etwas verstimmen wird.
Haha, um dem mal etwas entgegenzusetzen gibt es lediglich eine Geschichte zu meinen Januarwochen.
Worauf vorfreudigte ich mich nun so sehr im Dezember?
Erst einmal, am 4. war er da: der Dreinzwanzigste. Mein Geburtstag war sehr unspektakulär. Ich war verpflichtet, tags drauf noch Klausuren zu schreiben, also war ich nur Abendessen. Mein Gaumen verlangte nach Dim Sum, und ich wollte Dim Sum, also gingen wir in ein Dim Sum Restaurant, und what up? Es war gar kein richtiges Dim Sum Restaurant. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, es war ein normales, aber verhältnismäßig kostenintensiveres chinesisches Restaurant ohne den ganzen Dim Sum Schnick Schnack mit kleinen Wagen und heißem Gedämpften. Puh, wie ironisch, dass ich anscheinend den richtig schönen Kantonesen-Spaß nur in Amerika bekomme (eeh, und im Süden Chinas). Übrigens habe ich hier auch noch nie in meinem kurzen Qingdao-Leben ne Frühlingsrolle gesehen.
Anyway, Jacob kam dann noch mit mir nach Hause und wir haben ein bisschen Computer gespielt und Laoshan Tee getrunken. Thanks man.
Den Tag darauf habe ich mich, wie bereits erwähnt, den Finals entgegengestellt (und Achtung, spoiler alert, auch besiegt) und ab dann hieß es für die nächsten sechs Tage nonstop zaijian, Goodbye, Mach's gut und Visa de wenti.
Meine Klassenkameraden haben sich so schnell verflüssigt, dass ich erst recht spät bemerkt habe, dass ich nur noch drei Menschen im Wohnheim kenne, wovon zwei jetzt auf Reisen sind. Hum. Ich weiß eigentlich immer von Anfang an, dass wir nur temporäre Freunde sind, aber ein wenig Wehmut verspürte ich dann schon, als ich im zweiten Stock an den Korea-Zimmern vorbeigelaufen bin. Schließlich fand man die Leute ja irgendwo lustig, interessant und/oder nett. Oder? Und wenn nicht das gegeben war, dann haben sie immerhin sehr gut als … über-sie-redenswerte Objekte hingehalten. :D
Soviel Drama, Trash und Gossip wie ich hier erlebt habe, kenne ich sonst nur aus Erzählungen von Freunden (big surprise, mein Leben ist langweilig haha). Besonders der November und der Dezember hatten es in sich. Da hatte ich aber noch eine Verbündete, Leidensgenossin und fast schon V.-Schwester an meiner Seite, über deren Qingdao-Ableben ich wirklich untröstlich war.
Also hieß es Adieu auf der einen Seite und auf der anderen Seite bangen um meinen Urlaub in Südkorea. Aus der sehr gefährlichen Mischung bestehend aus Langeweile und Frust heraus war das Ticket intelligenterweise natürlich schon längst gekauft ohne sich, wie meine Eltern es eigentlich wollten, schon Monate vorher um ein neues Visum zu bemühen. Nun denn. Erst einmal ein bisschen Wissenswertes: Mein Visum war ein F-Visum mit einmaliger Einreise, welches ich am Anfang meines Aufenthalts sehr leicht in eines mit mehrmaliger Einreise hätte ändern können. Irgendwie habe ich das nie gemacht und dann hatte ich den Käse, Panik inkludiert. Es hieß bei der Polizei, dass ich in Korea sehr leicht ein neues beschaffen könne, zhende rongyi! Unvorsichtiges not a girl, not yet a woman hat natürlich einen leichten Lerneffekt mitgenommen und sich im Internet schlau gemacht. Also, offensichtlich wurden die Gesetze Juli 2010 geändert, wonach man als Ausländer ohne Alien Registration Card kein Visum mehr für China bekommen kann. Long story short, das Jetset-Team mit dem für mich lächerlich langem, nämlich zwei Wochen andauerndem Jetlag aus Arkansas bzw. Bochum nahm das Ruder in die Hand und erzählte von einer wunderhaften chinesischen Botschaft in Busan, die diese Regelung noch nicht in Kraft setzte. Juhu! Plan B wäre aber gewesen, einen Umweg über Hong Kong zu machen. Auch nicht schlecht, aber zeitlich wohl etwas knapp.
Korea.
Am 11.01. war ich also am Flughafenschalter. Chinesen haben's echt nicht so mit Anstellen, und weil die falsche Schlange kürzer war, stand auch ich dort, bis ich 5 Minuten später merkte, dass ich wie eine Idiotin einfach im Weg war. Blöderweise war eine Koreanerin, oder eher ein Harems-Mädchen der wicked Koreaner auch am Cut und dachte sich sicher nur ihren Teil. Män ey.
Etwa drei Stunden später war ich auch schon am Flughafen in Incheon und verwundert, dass beim Express niemand drängelte und die Aussteigen-Wollenden zuerst herausgelassen wurden (wurde höchstwahrscheinlich dadurch leicht beeinflusst, dass deren Tür rechts zuerst aufging, bevor man unsere Tür links aufmachte). Nach Papierausfüllspaß und Kofferschleiferei (ein verfluchtes Rad ist abgefallen) wurde ich dann von besagtem Jetset-Team empfangen. Das wurde auch noch auf Video aufgenommen, welches ich mir am letzten Tag angesehen habe. Wie ne Idiotin ey.
Er: Hey Mai, welcome to Korea!
Ich: An nyoung!
Er: So, how is it?
Ich: Uhm……… great!
Kameras machen mich halt eben nervös. :D
Von Incheon sind wir dann mit einem Bus nach Daejeon gefahren, weiter mit dem Zug nach Nonsan und vom Bahnhof aus mit dem Taxi endlich nach Hause. Zu Abend gab's … Korean BBQ, voll toll. Nonsan ist irgendwie eine recht alte Stadt, in den 80ern gefangen oder so. Mit all den überirdischen Stromkabeln, kleinen Häusern und menschenleeren Straßen zur Nachtzeit erinnerte mich die Szenerie arg an mein Bild von Japan, dass ich durch Miyuki (der Anime, ihr Loser) entwickelt habe. Was übrigens auch in den neunzehnhundertachtzigern spielte.
Der Korea-Trip an sich verdient einen eigenen Eintrag, den ich wohl in Deutschland nachholen werde, wenn ich auch endlich, endlich Fotos hochladen kann. (edit: keine Lust. War aber ein toller Trip und Korea ist unglaublich interessant.)
Zurück in Qingdao blieb mir knapp eine Woche, um mich für meine Abreise bereit zu machen. Gestern hat mein Vermieter und seine Frau zum Essen eingeladen. Wir waren Hot Pot essen (ein Topf mit ner Art Suppe und viel Gemüse, Fleisch, Tofu usw. zum Reinwerfen), wobei wir ein Restaurant extravaganza aufsuchten. In der Mitte des Restaurants wurden nämlich auf einer Anhöhe Schienen mit einem kleinen Zug installiert, der die bereits semi-detailliert erwähnten Beilagen herumchauffierte, die man sich dann einfach nehmen konnte. Cool, wo? Mein Vermieter und seine Frau sind richtig nette Menschen, und ich hoffe wirklich, dass sie es dieses oder nächstes Jahr nach Deutschland schaffen, sie haben nämlich einen Europatrip geplant. Haha, und seine Frau schwärmte dauernd von den männlichen Deutschen, die ihrer Meinung nach ja total handsome seien. Besonders unsere DFB Elf hats ihr angetan. Ich weiß nicht, ob sie sich so darüber im Klaren war, dass die Hälfte ja keine deutschen Wurzeln hat, haha :D Aber ja, Philipp find ich ja irgendwie auch ganz süß. :D
So, ich geh mal ne Runde raus.





